Tausende Tonscherben im Sand bei Gondsroth

Tausende Scherben haben die Archäologen bei Gondsroth in monatelanger Arbeit aus dem Sand geholt. Bis zu 5000 Jahre lagen die Spuren der Glockenbecherkultur  im Boden der Gemeinde Hasselroth-Gondsroth.

Typischer Becher der Glockenbecherkultur (ca. 2500-2200 v. Ch.)

Die Form der Gefäße erinnert an eine umgestülpte Glocke. Die Glockenbecher sind mit waagrechten Ornamentbändern aus Stempelabdrücken oder Einritzungen verziert. Nach diesem Gefäßtypus wurde eine noch rätselhafte Erscheinung der europäischen Urgeschichte, die Glockenbecherkultur, benannt. Sie ist an der Wende vom 3. zum 2. Jahrtausend v. Chr. auf einem großen Gebiet von der Iberischen Halbinsel bis zum Donauknie bei Budapest und von Schottland bis Sizilien verbreitet. Überall führt sie den oben beschriebenen Gefäßtypus ein.

 

Kreisarchäologe Dr. Schmitt zeigt einen der namensgebenden Becher .

Wie diese „Bodenschätze“ geborgen werden und welche Hinweise sie geben erklärte Dr. Hans-Otto Schmitt von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Main-Kinzig-Kreises. Zahlreiche interessierte Bürgerinnen und Bürger waren zum „Tag der offenen Grabung“ hinaus gekommen zu der kleinen Erhebung nordöstlich von Gondsroth.

„Es gibt nur wenige Informationen über den Übergang von der Steinzeit zur Bronzezeit“, erklärt Dr. Schmitt. Die Menschen der sogenannten Glockenbecherkultur - benannt nach den gewölbten Gefäßen - siedelten vor mehr als 4000 Jahren auch im Kinzigtal.

Dank der intensiven Arbeit der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer gibt es inzwischen rund zehn Fundstellen in der Umgebung von Rodenbach, Langenselbold, Freigericht und Hasselroth. Diese Häufung ist einzigartig in Europa.

Die jüngste Grabung in Gondsroth geht auf einen Fund Ende der 80er Jahre von Kurt Schäfer zurück. Bei routinemäßigen Ackerbegehungen entdeckte er Scherben und Steingeräte. Hunderte Tüten wurden inzwischen mit den Hinterlassenschaften der einstigen Siedler gefüllt. Von den primitiven Holzhütten ist in dem sandigen Boden allerdings nichts mehr zu finden.

Doch auch die Anordnung der Funde sowie Bodenverfärbungen geben den Archäologen wichtige Informationen. „Jede Stelle wird genau vermessen“, erläutert Schmitt. Die Ergebnisse werden anschließend in einen Bericht einfließen.

Obwohl die verzierten Tonscherben im Vergleich zu Knochenfunden oder wertvollen Grabbeigaben wenig spektakulär sind, so stoßen sie bei Forschern doch auf großes Interesse. Denn wie Schmitt betont, gibt die Glockenbecherkultur den Wissenschaftlern noch viele Rätsel auf.

Das Team der Unteren Denkmalschutzbehörde wird daher voraussichtlich im kommenden Jahr kaum hundert Meter entfernt eine neue Fläche in Angriff nehmen. Schmitt hofft unter einer leichten Erhebung auf weitere Hinweise zu den historischen Siedlungen.

Gondsroth im August 2002

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