Das ehemalige Gericht Selbold -Meerholz

Im ehemaligen Gericht Selbold waren Gerichtsbezirk und Marktgenossenschaft gleichgroß und umfassten die Dörfer Selbold, Hüttengesäß, Neuwiedermuß, Hailer, Meerholz, Mittlau, Neuenhaßlau, Laubersbach und Gondsroth. und benannte sich nach dem Hauptorte Selbold. Es war wie die Gerichte Altenhaßlau, Somborn, Gründau u.a. Reichsgut, was wiederholt bezeugt wird.

So heißt es z.B. 1425:".... in des heiligen Richs freyen Gerichten .... nemlich im alten Hasseler, Somborner, Gründawer und Selbolder Gerichte, die zum heiligen Rich gehören".

Aber 1282 verpfändete es der Kaiser Rudolf von Habsburg unter anderen Reichsgütern mit allen Rechten und Zubehörungen für 100 Mark Silber an Gerlach Reiz von Breuberg. Nicht lange danach erscheint auch das Haus Isenburg im Besitz eines Drittels dieser Pfandschaft; denn bei einem Schiedsgerichte, das um 1290 verschiedene Streitigkeiten zwischen den Herren von Breuberg und Isenburg schlichtete, wurde festgesetzt, dass von den Gerichtsgefällen der dritte Teil den von Isenburg gebühre, und dass ihm auch der dritte Teil der Wagen und Pferde zustünde, die von einer Fahrt mit dem Könige wieder nach Hause kämen.

Ebenso geht die Verteilung des Gerichtes unter Breuberg und Isenburg aus zwei Urkunden von 1317 und 1321 hervor. Im Jahre 1317 gestattete nämlich Kaiser Ludwig IV. seinen Landvogten in der Wetterau, Eberhard III. von Breuberg, auf eine Reihe von Besitzungen, die er vom Reiche zu Lehen trug, darunter auch die beiden Teile des Gerichtes Selbold und der zugehörigen Dörfer, eine Witwenversorgung oder ein Leibgedinge  von 1000 Mark Silber zu Gunsten seiner Gemahlin Mechtild von Waldeck zu legen, mit der Maßgabe, dass dieses Wittum nach dem Tode der Mutter auf die Tochter Elisabeth und Luckarde übergehen sollte  und 1321 schloss Luther von Isenburg mit seinem Schwager Kuno von Falkenstein einen Vertrag ab, worin er diesem die Nachfolge in seinen Besitzungen für den Fall zusicherte, dass er ohne männlichen Erben sterben sollte. Unter diesen Besitzungen führte Luther v. Isenburg auch jenes Drittel des Gerichtes Selbold an.

Wappen der Grafen Isenburg um 1605

Der Breuberger Anteil an der Reichspfandschaft des Selbolder Gerichts aber fiel nach den Tode Eberhards III. 1323 an dessen Töchter, nämlich 1/3 an Elisabeth, die sich mit dem Gräfen Rudolf von Wertheim und 1/3 an Luckarde, die sich mit Gottfried von Eppenstein verheiratete. Da nun Rudolf von Wertheim um 1354 seine Tochter mit Sophie mit Johann von Isenburg vermählte, so muß das Wertheimer Drittel auch noch an die Isenburger gekommen sein; denn 1355 wiesen Heinrich II. von Isenburg und sein vorher erwähnter Sohn Johann I. nach, dass dieser den letztere den Wertheimer Anteil  am Selbolder Gericht redlich erworben habe und seit Jahr und Tag in dessen Besitz sei.

Im Selbolder Weistume von 1366 tritt dann auch Johann neben seinem Vater Heinrich als Mitinhaber des Gerichtes auf. Das verbleibende Drittel das der Gemahlin Gottfrieds von Eppenstein zugefallen war, muss an den Erzbischof von Mainz  veräußert worden sein, da dieser nach dem erwähnten Weitume als Inhaber desselben erscheint. Im zweiten Selbolder Weistume von 1407 wird dann der Mainzer Anteil als Zubehör der sich seit 1405 wieder in Mainzer Besitz befindlichen Ronneburg bezeichnet.

  

Die Ronneburg

Doch versetzte der Erzbischof von Mainz 1426 die Ronneburg samt dem Mainzer Anteil des Gerichtes Selbold, den armen Leuten und dem dritten Pfennig daselbst an die Herren von Hanau. Erst im Jahre 1476 kam dieses hanauische Drittel an Isenburg, das damit Alleinbesitzer des Gerichtes Selbold wurde und seitdem auch blieb.

Bei der isenburgischen Teilung 1521 fiel das Gericht Selbold an die sogenannte Ronneburger Linie und in das Eigentum des Grafen Philipp. Dessen Sohn Anton hinterließ bei seinem Tod drei Söhne: Georg, Wolfgang und Heinrich, die sich das Gebiet ihres Vaters teilten, und zwar kamen drei Teilungen zustande: 1562, 1565 und, da unterdessen Graf Georg 1575 kinderlos gestorben war, 1578. bei diesen Teilungen wurde das alte Gericht Selbold zerissen, indem man die Orte südlich der Kinzig: Meerholz, Hailer, Mittelau, Neuenhaßlau und Gondsroth abtrennte und daraus ein neues Gericht Meerholz bildete und dieses schließlich zur Herrschaft des Grafen Wolfgang, den Rest des Gerichtes Selbold aber mit Selbold, Hüttengesäß und Neuwiedermuß zur Herrschaft des Grafen Heinrich schlug.

Seit dieser Zeit erst besteht ein selbstständiges Gericht Meerholz, das nach dem Vertrage vom 28.07.1578 in allem, selbst in Gerichtssachen, von dem Gericht Selbold geschieden wurde. Nur die Mark Selbold als wirtschaftlicher Verband überdauerte noch lange diese Trennung und ist erst 1837 / 38 zwischen Selbold einerseits und Neuenhaßlau und Gondsroth anderseits aufgelöst worden. 

das alte Gericht Selbold war mit einem Zentgrafen und 14 Schöffen besetzt. Die Malstätte befand sich in frühester Zeit auf den sogenannten Zentplatz am Selbolder Weinberge. Dicht dabei, auf dem Galgenküppel in der Nähe des Frankfurter Wasserturmes auf der Abtshecke stand der Galgen. Im Mittelalter wurden die Gerichtssitzungen im Spilhause am Markt zu Selbold abgehalten, der dem Kirchhofe, bzw. der alten Pfarr-, und Peterskirche gegenüber lag. 

Beide Gerichte Selbold und Meerholz wurden im Jahre 1816 kurhessisch und dann dem 1811 neugebildeten Kreis Gelnhausen zugeteilt. 1830 trennte man das Gericht Selbold von diesem wieder ab und verband es mit dem Kreis Hanau.

Quelle: Heimatbuch des Kreises Gelnhausen, Martin Schäfer 1950

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