Zur Geschichte des Dorfes Gondsroth

Das Dorf Gunsrode, wie es seit seinem Auftreten in der Geschichte Jahrhunderte lang hieß, liegt im Hasselbachtal (135m über N.N.) am Rande des großen Waldgebietes, dass heute noch in Norden des Spessarts das untere Kinzigtal bis vor Hanau bedeckt. Die jetzige Siedlung stößt nur in ihrem ältesten Teil an den Bach und zwar am Bachübergang, der ehemaligen Furt. Von der kleinen Dorfgemarkung schmiegen sich je etwa 1 qkm an die Hänge zu beiden Seiten des schmalen Talgrundes, in der Ebene Wiesen an den Hängen Ackerland und am Höhenrande Wald (bis zu 207m über N.N.).

Schon in der jüngeren Steinzeit saßen an den Lösflächen dieser Hänge Siedler, wie Funde von Steinbeilen, Perlmut-, oder Steinanhänger, Tonperlen und auch Wallreste am Hopfengraben beweisen. Weitere Funde von Mahlsteinen und Mahlplatten, auch Feuersteinschaber aus der Steinzeit, ferner Bronzegeräte und Eisenspeere weisen auf vorgeschichtliche Jäger und Ackerbaubevölkerung hin. Die alten Geräte zeugen von Ihren Leben und Treiben, von den Geschlechter jener Zeit wissen wir nichts.

 

Die heutige Dorfanlage im sumpfigen Wiesengrunde geht offenbar erst auf eine fränkische Gründung um 800 n. Chr. zurück. Von dem großen Königshofe an der Gründaufurt in Selbold (heute Langenselbold) wurde hier ein fränkischer Kolonist am Rande des großen Marktwaldes des alten Gerichts oder der Zent Selbold angesetzt um den Straßenübergang nach der Schindhohle aufwärts zur Völkerstrasse auf den Spessarthöhen, der späteren Birkenhainerstrasse und den Orber Salzquellen zu sichern. Dieser Kolonist und seinen Nachfolgern, nach einem von Ihnen erhielt die Rodung Ihren Namen, rodeten mit ihren Knechten eine Königshufe, daher Gun(ter)s-rode, später Gondsroth.

 

Ihre Nachkommen waren die Herren von Gunsrode die Ihren Königshof als Dorfkern fast das ganze Mittelalter hindurch besaßen und von den Bauern des Dorfes Pacht und Zins bezogen. Sie taten ursprünglich Dienst auf dem Selbolder Königshofe, dann als Ritter und Burgmannen auf der Reichsburg (Kaiserpfalz) Gelnhausen  Verwaltungs-, Wach-, und Kriegsdienste, später auch unter den Herren von Hanau und von Rieneck und den Erzbischhof von Mainz, z.B. als Schultheiß von Aschaffenburg und Burggraf zu Miltenberg.

Wappen des Adelsgeschlecht von Gunsrode

 

Mit dem Niedergang des Rittertums verarmten sie immer mehr, so dass Sie gezwungen waren Ihre Besitztümer und Lehen nach und nach, Hufe um Hufe zu veräußern.

 

Später ist noch eine zweite Familie aus dem niederen Dienstadel hier ansässig, die anscheinend durch Verwandtschaft in den Lehnbesitz einer Dorfhälfte kam, das Geschlecht der Herren von Bruchhausen. Es verarmte jedoch ebenfalls, so dass die Witwe Elsbeth von Bruchhausen 1359 nach dem Tode Ihres Gemahles Dylmann ihr gesamtes Gut an die Stiftsherren zu Aschaffenburg verkaufen und zu Lehen nehmen musste, wie auch das Geschlecht von Gunsrode um diese Zeit schon dem Probst vom Aschaffenburg lehenspflichtig waren.

Über die Siedlungsform von 1359 gibt die oben genannte Verkaufsurkunde von 1359 mit Ihren genauen Namen, Orts-, und Flurbezeichnungen Aufschluss. Sie lässt erkennen, dass schon damals fast die ganze heutige Feldmark der Gemeinde Gondsroth durch die beiden Herrenhöfe und ihre Zinsbauern im Umfang von ca. 200 ha Feld und Wiesen gerodet war. Der Rest der heutigen Gemarkung von etwa 60 ha kam später (1832 – 1854) bei der Markaufteilung der Zent Selbod noch hinzu. Neben den Herrenhöfe bearbeiteten noch sechs Zinsbauern je eine Hufe Land, bis zu 25 ha, nämlich Johann Eychmann, Konrad Eychmann d.J., Konrad Urez, Wenzel Urez, Helfrich Erpe und Peter Niederhofer. Konrad Eychmann war Einstam auf dem Kunenhof, andere auf dem Belgeshof, Mühlhof, Wenzelshof und Haibischhof , damals zum Teil schon anderen Herren zinspflichtig. Peter Niederhofers Besitz z. B. wird beschrieben als eine Hofreite mit Haus und Garten, gelegen zu Gunsrode, in dem Dorf mit einem Morgen Ackers, dazu Feld, Wiesen, Wasser, Weide und Eckern (das ist Hutrecht im Eichenwald zur Schweinemast) und zugehörigen Wegen und Stegen. Zu den Einzelhöfen gehörten auch kleine Waldungen, deren Lage heute noch durch Flurnamen angedeutet wird, z. Bsp. Eichfeld, Birkig, im Weiden-, und Langenbusch, am Stockrain, am Ellern, in der Welde und in der Buchhecke. Auch in dem Marktwald selbst nutzten die Gondsrother Marktgenossen damals schon Rodungen, nur der Älteste von Gunsrode, aber auch die Herren von Selbold und die Klöster von Selbold und Meerholz das Recht in den Marktwaldgebieten eine Schafsherde zu weiden.

Der Kaplan zu Gunsrode wohnte in dem Pfarrhof neben der Kirche. Er hatte die Nutznießung von einer Hufe Land, die in Jahre 1234 von den Brüdern Hertwig von Gunsrode und Konrad von Gunsrode (genannt Kuchelin) nach langem Streit als Sühne dem Kloster Selbold von Ihrem Erbe gestiftet worden war, nämlich 4 Solidi, 1 Malter Roggen, 1 Malter Hafer. Die Filialkapelle  Gundsrode bekam im Jahre 1344 wiederum als Filial die Kapelle in Neuenhaßlau. Ihr Stifter, der Ritter Rudolf von Rückingen, bestimmte, dass der Kaplan zu Gunsrode die dortige Kapelle versehen sollte in allen Ehren, als das von althers Brauch sei und die anderen Tage sollte er Meß halten zu Haßlau in der Kapellen. Dafür erhielt er den kleinen Zenten zu Neuenhaßlau und einen Teil des Zenten zu Laubersbach, nämlich die Hofstatt bei der Kapelle mit zwei Morgen Wiesen, auch 3 Malter Korngeld, eineinhalb Morgen Weingarten und 34 Schilling. Diese Gefälle lieferte teilweise ein Hof in den benachbarten, heute ausgegangenen Weiler Laubersbach, dessen Lage jetzt noch der Flurname „im Pfaffenhof“ bezeichnet. Außer dem oben genante Stift von Aschaffenburg besaßen schon 1267 auch der Deutschherren-Orden von Sachsenhausen Güter in Gondsroth, die 10Malter Hülsenfrüchte und 2 Malter Hafer abwarfen und von der Adelsfamilie von Selbold in Erbleihe genutzt wurden. Ferner bezogen Sie 1347 den Zenten von einem zweiten Hof, den Sie von den Herren von Gunsrode bzw. von Ihren Rechtsnachfolgern Glaffhufer in Gelnhausen erworben hatten. So belasteten die Herrengeschlechter nach und nach die Einzelhufe immer mehr mit Abgaben, bis es fast selbst gar keinen Anspruch darauf hatten und sein eigenes Auskommen nur noch dürftig bestreiten konnte. Weiterhin hatte auch das Kloster Selbold Grundbesitz in Gondsroth. In einer Aufzeichnung des Klosters von 1454 wird die Mühle (Mühlhof zu Gondsroth), 1 Haus, 1 Weinberg und 1 Acker als Grundbesitz  des Klosters in Gondsroth benannt.

Reizvolles altes Gondsroth 

Zweihundert Jahre später lebte nämlich auf der gleichen Erwerbsfläche schon etwa die doppelte Anzahl von Familien. In der Reformationszeit baute die Gemeinde Ihre Kirche um und ließ eine Glocke darin aufhängen. Sie trug die Inschrift : peter gereyßen goß mich 1520+.anna.sonat.fugito.prume+ fulmen. gelitenque. tempestas. fileat. ventus. et. ipse. furens+ . Was übersetzt hieß: Es fliehe der Blitz und die Kälte des Winters, das Unwetter schweige und selbst der rasende Wind. Doch nicht nur zum Unwetterläuten rief Sie die Siedler zusammen, erst recht flüchteten diese in Fehdezeiten hinter die schützenden Mauern des kleinen Wehrfriedhofes rund um die Kirche und hielten vom Wartturm aus Ausschau nach drohenden Kriegsscharen. Die Ritter von Gunsrode  waren schon vor der Reformationszeit wirtschaftlich auf ihrem Ursitz und damit aus dem Ysenburger Land verdrängt worden. Sie blieben Mainzer Vasallen und Ihr Geschlecht starb 1597 aus.

 

Auch in der Reformationszeit war Gondsroth noch Sitz einer Pfarrei, denn die Grafen von Ysenburg setzten hier den der Reformation geneigten Geistlichen Wilhelm Fink ein, der später in Niedermittlau die Pfarrei verwaltete und bei der Auflösung der Klöster Selbold und Meerholz und bei der Reformation in Gelnhausen mitwirkte. Seitdem gehören Gondsroth und Neuenhaßlau zum Kirchenspiel Niedermittlau, das Pfarrhaus wurde später zum Schulhaus umgebaut, in dem auch die Lehren des Dorfes wohnten. Die Bewohner des Dorfes Gondsroth blieben dann als Ysenburger evangelisch, trotzdem das benachbarte Somborn den Mittelpunkt des Mainz - Hanauischen und deshalb katholischen Freigerichts bildete. Juden waren nie ortsangesessen, kamen aber als Händler aus dem, mit Kammerknechten besetzten Meerholz, Langenselbold oder Somborn.

 

Federzeichnung der alten Ortsansicht

 

Um 1585 bestand Gondsroth aus etwa 18 Familien bzw. Hofstätten , wie aus Pacht und Zinsverzeichnissen des Kellers der Herren von Rückingen hervorgeht Die Grundherrschaft des Dorfes war nämlich an die Erben des Burggrafenamtes von Gelnhausen, die Herren von Ysenburg  übergangen, die sie wiederum an die Herren von Rückingen verliehen hatten. Die ausführlichen Jahresabrechnungen des amtlichen Kellers aus der Zeit von 1585 bis 1610 weisen aus, dass damals die Zinsbauern mit Ihren Lieferungen an Korn, Hafer, Spelt, Schönbrot, Gänsen, Fastnachts-, und Sommerhühnern und anderen Abgaben oft 10 und mehr Jahre zurückblieben. Ein Vergleich der noch ausstehenden Forderungen des Grundherren mit den zu jener Zeit von den Bauernhöfen mögliche Ernteerträgen lässt erkennen, dass sämtliche Höfe überschuldet waren. Die Bauern hatten nur noch den Namen nach den Hof inne. Deshalb hafteten die Familien in diesen Jahrzehnten nicht mehr so sehr an ihrem Grundbesitz, was unter anderem auch der Wechsel der Bevölkerung zeigt. So werden in den Jahren 1582 – 1589 als Familienvorsteher genannt: Michel Rubell, Henn Rubell, Caspar Eißenerdt, Peter Lapp, Hans Lapp, Hans Weiß, Anders Obser, Georg Schneider (der Müller), Conß Diell, Kunß Kallmann, Hans Doerr, Christen Winter, Cunß Storck, Johann Runckels, Witib Anna, Georg Hartmann, Balthaser Storck, Ludwig Koch. Keiner der Namen von 1356 ist also noch vorhanden. Die neuen Hofinhaber teilten sich fast alle in die Leistungen an Zins und Pacht von der großen Hub (der Kunenhof, die Königshub), der Haibischhub, und der Belgeshub, sind aber zumeist auch Pächter der Deutschherrengüter. Bei der Neuordnung der Pachtverträge über die zwei Deutschherrenhöfe in Gondsrother Terminen um 1527 erklärt der Oberreiter des Ordens, dass nach früheren Verschreibungen diese Güter nur von 4 Sternen genützt worden, jetzt aber in zu viele Hände gekommen sein, zur Schmälerung der Güter. Da aber eine Zusammenlegung der Armen, so sich viele Jahre von Ihren Eltern her damit ernährt, hochschändlich sei, solle ein jeder bei seinen Gütern belassen werden. Doch sollen nur 6 Pachtleute , als ein Stamm, zugelassen sein, die den gleichen Pachtertrag, wie früher liefern, nämlich 14 Malter Korn, 4 Malter Hafer (Malter = Gelnhäuser Maß), 8 Hühner, 2 Gänse und 1 Pfund Heller. Selten wurden die fälligen Abgaben ganz entrichtet, gar oft kann man lesen: Ist den Zins schuldig geblieben oder ähnliches. So geben diese Abrechnungen ein deutliches Bild von der schlechten wirtschaftlichen Lage jener Zinsbauern im 16. Jahrhundert.

Deshalb wuchs die Familienzahl in den nächsten Jahrzehnten nur wenig, bis zur Mitte des Dreißigjährigen Krieges, 1632 verschwinden 2 Familiennamen und 5 andere tauchten dafür neu auf: Georg Ruppel, Henrich Ruppel, Korad Eißenhart (der Müller), Johannes Lapp’s Witwe, Ludwig Storkg, Georg Weingärtner, Konrad Obser, Hans Obser, Johann Weiglers (Deserta), Ludwig Kallmann (Gerichtsschöffe), Hans Doerr, Georg Doers (Deserta), Stoffel Runkel, Hans Hartmann’s Witwe, Peter Runkel, Peter Rösch, Hans Stichel, Konrad Hermann’s Witwe.

Der Grabstein des ehemaligen Gerichtschöffen, Orts- und Kirchenvorsteher

Johannes Weingärtner geboren am 01.10.1662 

In der ersten Hälfte des dreißigjährigen Krieges blieb das untere Kinzigtal von größeren Kriegshandlungen verschont, so dass der Familienbestand der Dörfer an sich kaum Veränderung erlitt. Auffallen muss allerdings, dass etwa ein Drittel der Familien doch schon durch den Krieg der Männer beraubt war, wie die Bemerkungen Witwe und Deserta (die Verlassene) beweisen. Wie sehr aber dann die zweite Kriegshälfte den Siedlungsbestand vernichtete oder doch in die Weite verstreute, veranschaulicht die Darlegung unserer örtlichen Familiengeschichte besser als die üblichen, aber nicht überall zutreffenden Phrasen „Das Dorf hat im dreißigjährigen Krieg sehr gelitten“ oder „es wurde fast entvölkert“. Erst im Jahre um 1634 brachten über unsere Gegend all jene Zerstörungen, Leiden und Kriegsgreuel, die Christoph von Grimmelshausen in seinem bekannten Zeitbild „Simplicius Simplicissimus“ eben aus diesen Tälern des nördlichen Spessarts beschreibt. Außer ihm fließen auch noch andere Quellen die begreiflich machen, warum gerade das flache Land in der Umgebung der Festung Hanau so sehr verödete und alle Landleute möglichst in die festen Orte Gelnhausen, Hanau, Hochstadt, Bergen und das bis zum Übermaß übervölkerte Frankfurt a.M. flüchteten, von denen letzteres schließlich durch eintretende Hungersnot und Pest auf seinen ursprünglichen Bestand zurückgeführt wurde. Auf diese Tatsachen braucht an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden, sie sollen nur die Ursachen des folgendenkrassen Besiedlungswechsel des Ortes Gondsroth andeuten.

Wenn auch über dir Schicksale der von der Kriegsfurie getöteten oder vertriebenen Dorfbewohner nur einzelne Zufallsbeschreibungen vorliegen, so sind das abermalige Aussterben der alten Familiennamen bis auf zwei der bisherigen und die fast gänzliche Umschichtung des Bevölkerungsbestandes beweiskräftig genug und kennzeichnend für die große gesellschaftliche und wirtschaftliche Revolution, die der Dreißigjährige Krieg für viele, besonders die kleinen, ungeschützten Dörfer bedeuteten

 

Einen weiteren, genauen siedlungs-, und familiengeschichtlichen Überblick über das Bauerndorf Gondsroth gewährt die Landesaufnahmen und Kartierungen, die wie anders auch im Ysenburger Land um 1726 vorgenommen wurde. Ein Riß-, und Geländebuch aus dieser Zeit gibt auf etwa 950 Seiten alle Dorf-, und Flurstücke und deren Besitzer an.

Ausschnitt aus der Schmitt’schen Geländekarte von 1779

Hier mit der Ortsbezeichnung Günzenrode

 

Die Außenhöfe der mittelalterlichen Siedlung, die bis zuletzt an Größe fast den verkleinerten Königshofe der Kernsiedlung gleichkamen, sind nach dem großen Kriege verlassen worden. Um 1726 finden wir statt ihrer ein geschlossenes Haufendorf vor, das durch Wälle und Zäune befestigt ist. Auf der westlichen Dorfseite war eine bis zum 19. Jahrhundert vorhandene Heg errichtet mit Wall und Gebück. Im Norden sicherte ein Rück und die sumpfige Eßsträuch, im Osten der Schneidersrück und der Stolzenrück die Dorfanlage, die gegen Süden noch durch die beigezäunte Bisswiese und die Sumpfflächen beim Kuhlgarten und Wellgarten gedeckt war. Wo der alte Heerweg, genannt der Hanauer Weg, vom Westen her in das Dorf führte, heißt es heute noch „Am Schlag“. An der ehemaligen Herberge (heute altes Gasthaus) und der Kapelle des alten Königshof vorüberziehend, verließ er dann an der Ostseite hinter dem befestigten Kirchhof über die Bachfurt am Tränkgarten (heute Bachbrücke) das Tal um durch die Schindhohle nach den Spessarthöhen aufzusteigen. Der einzige Verkehrsweg der Siedlung war damals noch westöstlich gerichtet, der ehemalige Königshof immer noch der Dorfkern und die anderen Höfe durch die Hintergasse und den Heubuschweg erreichbar.

  

 

Die schon seit 1154 bestehende Dorfkapelle mit Wehrturm (heute allerdings mit spitzem Dach) steht auf künstlich erhöhtem Grund. Zwischen ihr und der alten Herberge lag im Mittelalter als freier Dorfanger der beim Königshof übliche Baumgarten, später Schäfergarten genannt, der des Nachts zur Aufnahme von Viehherden diente. In diesen geschützten Haufendorf war kaum hundert Jahre nach dem großem Kriege die alte Zahl der18 Haushaltungen schon wieder erreicht. Aber unter seinen hundert Bewohnern finden wir nur zwei der alten Familiennamen wieder, nämlich Weingärtner und Ruppel. Die Familie Weingärtner ist Besitzer des Dorfkernes in 4 Haushaltungen. Peter Weingärtner, Johann Weingärtner, Wilhelm Weingärtner (der Wirt), und Wilhelm Weingärtner d.J.. Johann Konrad Ruppel bewohnte den südlichen Hof. Noch im großen Krieg war aus dem benachbarten Niedermittlau ein Herbert eingewandert, jetzt schon in 5 Haushaltungen vertreten: Hans Peter Herbert, Wilhelm Heinrich Herbert, Michael Herbert, Henrich Herbert, Johann Heinrich Herbert. Neu sind die Namen Weihl Faust, Philipp Dückhard, Georg Runkel, Paul Runkel, Paul Heeg’s Witwe, Georg Paul, Heinrich Hahn, Johann Wilhelm Müller und Konrad Müller. 

Nach etwa 80 Jahren hat sich die Häuser-, und Familienzahl der Gemeinde schon fast wieder verdoppelt, wie eine Kantonalliste von 1808 zeigt, die der Schultheiß Georg Karl Herbert und Bürgermeister Georg Heinrich Klostermann ausfertigten und Pfarrer Reutl aus Niedermittlau bestätigte: Dannach wohnten 193 Einwohner in 41 Häusern, nämlich 42 Verheiratete, 13 Verwitwete, 61 Ledige (Söhne) und 77 Töchter in Gondsroth. Der Vermögensstand wurde bei 45 Haushaltungen mit : 4 ziemlich, 6 mittelmäßig, 26 wenig und 9 arm, angegeben. Der Viehbestand wird mit 24 Pferden, 79 Kühen, 106 Rindern und Schafen verzeichnet. Das weitere Anwachsen der Siedlung Gondsroth führte auch im 18. und 19. Jahrhundert jedes Mal zur Verdopplung der Bevölkerungszahl wie nachstehende Übersicht zeigt: 

1790 wohnen 143 Einwohner auf 28 Wohnstellen

1808 wohnen 193 Einwohner auf 41 Wohnstellen

1820 wohnen 200 Einwohner auf 40 Wohnstellen

1835 wohnen 261 Einwohner auf 42 Wohnstellen

1840 wohnen 258 Einwohner auf 42 Wohnstellen

1855 wohnen 273 Einwohner auf 44 Wohnstellen

1865 wohnen 289 Einwohner auf 47 Wohnstellen

1890 wohnen 314 Einwohner auf ?? Wohnstellen

1905 wohnen 365 Einwohner auf ?? Wohnstellen

1910 wohnen 401 Einwohner auf 82 Wohnstellen

1920 wohnen 417 Einwohner auf 87 Wohnstellen

1939 wohnen 471 Einwohner auf ?? Wohnstellen

1949 wohnen 827 Einwohner auf ?? Wohnstellen

1969 wohnen 1.218 Einwohner auf ?? Wohnstellen

1992 wohnen 1.193 Einwohner auf ?? Wohnstellen

2001 wohnen 1.177 Einwohner auf ?? Wohnstellen

 

Dadurch vollzog sich bei der äußerlich nur geringen Erweiterung der Siedlungsfläche immer häufiger eine Aufteilung der Hofstätten und ein notwendiges Zusammenrüchen der Siedler. Viel spürbarer aber wurde der gewaltige Umbruch durch den viel geringeren Anteil des einzelnen Ortsbürger an dem Gemarkungsbesitz und seine Nutzungsrechte am Marktwald.

Solange alle Haushaltungen als Ortsbürger und Märker gleichberechtigt waren, reichte der Siedlungsboden für die Gewinnung des notwendigen Brot-, und Futtergetreides und genügend Viehzüchtung für ca. 40 Haushaltungen mit etwa 200 Verzehrern aus, stellte doch der Marktwald außerdem noch freies Brenn-, und Bauholz zur Ergänzung der knappen Ackernahrung, oft auch noch Laubstreu und Grasung. Dies änderte sich grundlegend mit der Aufteilung des gemeinsamen Marktbesitzes und der Ablösung der Zehntgefälle um 1830.

Erndedankfest 1936, Aufstellung des Festzuges am Schlag

In den Jahren 1836/1837 wurde die Teilung  der Langenselbolder, Neuenhasslauer  und Gondsrother Mark vollzogen, nachdem sich Niedermittlau, Meerholz, Hüttengesäß und andere schon in früheren Jahrhunderten aus den alten Mark-, und Zinsverband gelöst und auch obige Dörfer ihre Dorffluren nach der Mark hin immer mehr vergrößert hatten. Die restlichen 190 Acker und 126 Ruten Wiesen und 1701 Acker und 110 Ruten Wald wurden nach der Anzahl der Ortsbürger so verteilt, dass Langenselbold 15/20, Neuenhaßlau 3/20 und Gondsroth 2/20 davon erhielt. Durch Tausch vergrößerte Gondsroth noch seinen Waldanteil, der bis heute als Gemeindeallmende weiter genutzt wird, auf 188 Acker 43 Ruten. Solange führten Neuenhaßlau und Gondsroth durch Gerichtsschöffen gemeinsame Rechnung für ihr Markgebiet. Die Ablösung des Zehnten und anderer ständiger Gefälle wurde ebenfalls um 1839 abgeschlossen und als Gemeindeschuld, die durch den Ertrag der Gemeindeallmende nach und nach abgetragen werden konnte. Mit Abschluß der Markteilung für die Gemeinden wurde die Zahl der Ortsbürger festgelegt, alle späteren Zuziehenden nur noch bei Freiwerden eines Ortsteiles einkaufen.

Landleben in Gondsroth ca. 1925, Ausfahrt zur Heuernte 

Vom Jahre 1823 bis 1832 legte die Gemeinde 180 Ruten Steinbahn in Ihren Dorfgassen an und begannen 1824 mit dem Ausbau ihrer Wege nach Somborn, Neuenhaßlau und Niedermittlau, auch bepflanzten sie dieselben mit Obstbäumen.  

Um 1840 wurde die Leinenweberei in Gondsroth und Umgebung vermehrt und unter amtlicher Förderung betrieben um den überschüssigen Bevölkerungsanteil in Nahrung zu setzen, dann brachte der Eisenbahnbau der Strecke Hanau-Fulda-Bebra um 1866 eine Erwerbsmöglichkeit für einen weiteren Teil der Bevölkerung. Um 1870 entstand dann als eine der ersten in der ganzen Gegend die Zigarrenfabrik Groß &Co, die um 1890 über 100 Arbeiter (zum Teil auch aus den Nachbarorten) hatte. So ist es erklärbar, dass auf dem an sich übervölkerten Siedlungsböden die Bevölkerung weiter anwachsen konnte, weil sich schließlich nur noch jeder zweite von dem Heimatboden ernähren musste. Die Reichszählung von 16.Juni 1925 ergab als Bevölkerung von Gondsroth 417 Einwohner in 87 Haushaltungen . Unter diesen 87 Familien waren 8 Familien Reußwig, je 7 Familien Weingärtner und Scharf, 6 Familien Herbert usw. im ganzen 37 Namensformen. Doch gehörten andererseits die gleichen Namensformen nicht immer Familien gleichen Stammes. So sind zum Beispiel die Familien Müller, Wagner und Stichel in den verschiedenen Jahrhunderten verschiedener Herkunft. Im wesentlichen konnte aber festgestellt werden, dass von den 37 Namensformen, welche die Zählung von 1925 berücksichtigt, die nachgenannten in folgenden Zeiten im Dorf auftraten:

Vor 1600: Weingärtner, Stichel (erlöschen und neu zugezogen)

Nach 1600: Herbert, Hahn

Nach 1700: Müller, Scharf, Wagner

Nach 1800: Baumann, Becker, Gunkel, Gutermann, Helmuth, Heuzeroth, Hir, Kleinfeller, Loos, Reußwig, Röder, Semmel, Schmidt, Schnopp, Simon

Nach 1900: Acker, Bach, Birkenstock, Breideband, Fischer, Jakob, Kessler, Knöll, Kreckel, Laubach, Loß, Reuther, Schäfer, Schwalbach, Wörner

Gondsroth 1901, Fahnenweihe des Veteranenvereins mit Teilnehmern der deutsch - französischen Kriege 1866 und 1870/71.

 

Plankarte 1936

 

In dem Kreis-Blatt-Gelnhausen vom 18.10.1902 wurde bekannt gegebenen, dass in den Orten Hailer, Niedermittlau und Gondsroth je eine Telegraphenanstalt der Cassel Kaiserlichen Ober Post Direktion mit Fernsprechbetrieb und Unfallmeldedienst  in Wirksamkeit getreten ist.

Am 15.Oktober 1904 wurde die Freigerichter Kleinbahn in Somborn feierlich eröffnet. Bis 1956 fuhr die Kleinbahn von Gelnhausen über Hailer, Meerholz, Niedermittlau, Bernbach, Neuses. Somborn, Gondsroth, Neuenhaßlau zum Großbahnhof nach Langenselbold.

Bahnhof Gondsroth

 

Auszug aus dem Fahrplan 1949 und die Anzahl der beförderten Personen

Die Kleinbahn war bis zu Ihrer Einstellung im Jahre 1956 nach über 50 jähriger Betriebszeit das wichtigste Verkehrsmittel für die Bevölkerung, den Güterverkehr und vor allen für die Pendler die im Raum Hanau und Frankfurt ihrer Arbeit nachgingen.

In dem Jahr 1914 wurde Gondsroth an das Wasserleitungsnetz angeschlossen. Alle bis zum Stichtag 10. Januar 1914 angemeldeten Anschlüsse wurden mit einem Zapfhahn  kostenfrei ausgeführt, sich später anschließende Hausbesitzer mussten die Zuleitung auf eigene Kosten herstellen lassen. Im Jahre 1919 waren in Gondsroth von 78 Grundstücken nur 55 Hausbesitzer mit einer Wasserleitung versorgt. Weiterhin wird Gondsroth durch das Gaswerk Somborn, ein Zweigunternehmen der Gasgesellschaft Cassel, zur selben Zeit mit Koch- und Leuchtgas versorgt.

Im I. Weltkrieg (1914-1918) fallen 11 Einwohner auf den Schlachtfeldern. 

Die Elektrizitätsversorgung des Dorfes wurde im Jahre 1924 durch die Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft hergestellt, welches heute noch anhand des Transformatorhauses an der Hasselbachbrücke, Richtung Niedermittlau ersichtlich ist.

Im Jahre 1925 wird das heute noch erhaltene Backhaus der Gemeinde in der Nebenstrasse in Gebrauch genommen und 1935 wird der bereits seit 1879 bestehende, schlichte Schulsaal neben der Kirche, an dieser Stelle steht heute das evang. Gemeindehaus (erbaut 1966), durch ein neues Schulhaus an anderer Stelle, damals noch am Rande des Dorfes ersetzt. Der Schulbetrieb wurde am 14.Oktober 1935 aufgenommen.

 

In der Zeit des II. Weltkrieges von 1939-1945 sind aus Gondsroth 36 männliche Bürger gefallen und es wurden zahlreiche evakuierte Familien aus den Städten bei uns aufgenommen. 

Gondsroth 1940: Gesamtansicht aus Westen. Propaganda in Schrift und Bild wurde in der NS-Zeit in allen Darstellungen betrieben. An Ende kam der totale Untergang.

Doch auch das Leben in Gondsroth ging danach weiter, und die Bevölkerungszahl wuchs durch den Zuzug zahlreicher Flüchtlingen und heimatvertriebenen Familien aus dem Sudetenland und Ungarn. 

Ansichtskarte von ca.1948 der Ortsansichten 

  

 

Da der alte Friedhof in der Hauptstrasse zu klein wurde, wird ein neuer Friedhof mit kleiner Trauerhalle am Ortsrand, Richtung Wingert, im Jahre 1953 errichtet. Die Trauerhalle wurde im Jahre 1975 erweitert.

Im Mühlhof wird 1954 ein Feuerwehrgerätehaus errichtet und dient jahrelang bis 1992 der seit 1879 bestehenden Freiwilligen Feuerwehr Gondsroth. Da das alte Feuerwehrgerätehaus nicht mehr den Ansprüchen einer modernen, leistungsfähigen Wehr entsprach wurde 1991 ein neues Gerätehaus in der Richard-Ruff-Str. erbaut. Heute wird das alte, ehemalige Gerätehaus im Mühlhof von anderen Vereinen als Vereinsheim genutzt. 

1961 wird ein neues Bürgermeisteramt in der Schulstrasse errichtet und von 1963-1966 wird Gondsroth mit einer Ortskanalisation für Abwasser ausgebaut..

In der Zeit von 1950 bis 1980 findet eine große Umwälzung im unserem dörflichen Leben statt. Die landwirtschaftlichen Betriebe, zu diesen Zeitpunkt meist nur noch nebenberuflich geführt, werden unrentabel und werden aufgegeben. Unser Dorf vergrößert sich durch Zuzug aus den Städten und Heimatvertriebenen um die Hälfte. Es wird durch Anstieg der Bautätigkeiten weitere Neubaugebiete ausgewiesen.

1971 haben sich Einzelgemeinden Neuenhaßlau und Gondsroth durch einen Vertrag freiwillig zur neuen Gemeinde Hasselroth zusammengeschlossen. 1974 wurde Niedermittlau gesetzlich der Gemeinde Hasselroth angegliedert, dies wurde zuvor durch einen Zusammenschlussvertrag der nunmehrigen drei Ortsteile bestätigt. 

Gondsroth erhält im Jahre 1990 einen eigenen Kindergarten in der Schulstrasse.

Die durch ein Unwetter im Jahre 1992 leicht beschädigte Kirche wird 1994 vollständig renoviert, dabei wird der hölzerne Turmhelm, dessen altes Gebälk auf das Jahr 1460 datiert worden ist, zu ca. 80% erneuert.  

Die 1934 errichtete Schule, die sich heute "Alte Dorfschule" nennt wird 1997 auf vier Klassenräume ausgebaut.

Festschrift zur 850 Jahr-Feier

Im Jahre 2001 feiert Gondsroth sein 850-jähriges Bestehen mit einem großen Fest  im historischen Ortskern rund um die Kirche. Es erscheint eine umfangreiche Festschrift und ein Sieben Tage-Museum mit zahlreichen Exponaten aus alter Zeit wurde im Gemeindehaus errichtet. 

Damit endet unsere kleine Zeitreise des Dorfes Gondsroth

 

Im Jahre 2000 besitzt die Großgemeinde Hasselroth 7.536 Einwohner

           

Gemeindewappen Hasselroth

 

Quellenangabe: Siedlungs-, und Familiengeschichte des Walddorfes Gondsroth  von Martin Schäfer (Januar 1937) und eigene Quellen

 

Zusammengefasst durch

Peter Weingärtner

 

zurück zur Startseite