Faszinierendes Schottland

Urquhart Castle am Loch Ness

Ein Reisebericht über eine "Triumph - Spitfire" Tour durch Schottland

Nachdem ich bereits 1995 eine Tour durch Südengland und Wales mit meinem Spitfire unternommen hatte und von der Zuverlässigkeit des kleinem Hitzkopf überzeugt wurde, kam mir eine Einladung von Jürgen Brüchert, eine Spitfire-Tour durch Schottland gemeinsam zu unternehmen, gerade recht. Nach einigen Vorbereitungen, sprich einer richtig großen Inspektion des Wagens, bei der sogar die Kühlerschläuche auf Verdacht gewechselt wurden, konnte es am 01.07.97 gegen 8:00 Uhr von unserem Heimatort auf große Fahrt gehen. Jürgen und Freundin Sabine waren bereits an Abend vorher mit Ihrem `68 MK III aus Stuttgart angereist. Als meinen Reisebegleiter hatte sich wieder einmal mein Freund Mike zu unserer kleinen Reisegruppe gesellt.

Die Fahrt durch Deutschland und Belgien gestaltete sich erwartungsgemäß langweilig und wir kamen zügig mit eine Reisegeschwindigkeit von ca. 110 km/h (ca. 4000 rpm) Zeebrücke näher. Wir hatten die Überfahrt bei "North Sea Ferries" von Zeebrücke nach Kingston Upon Hull gebucht, um erholt Mittelengland zu erreichen. Diese Fährverbindung ist für Schottlandreisen zu empfehlen, da die Fähre am späten Nachmittag in Zeebrücke ablegt und morgens nach 14 Stunden Fahrt Hull erreicht. Wir hatten für die Überfahrt Schlafsessel gebucht und lümmelten uns nach ein paar Guinness im Bordcasino in diesen herum. Leider erwiesen sich diese Schlafsessel als unbequeme Folterinstrumente und nach einigen qualvollen Stunden machten wir es den Profis nach, die sich einfach in eine Decke gehüllt auf den Boden legten. Das monotone Motorengeräusch des Schiffdiesel ließ uns auch gleich darauf einschlafen.

   

Fährhafen Zeebrücke mit unserer Fähre die "Norstar"

Nach einem gemütlichen Frühstück an Bord verließen wir hocherfreut und mit offenem Verdeck die Fähre um uns in Hull an das Linksfahren zu gewöhnen. Um möglichst schnell Schottland zu erreichen fuhren wir über York zur A1. Kurz hinter Newcastle verließen wir die A1 um über kleine Strassen unser Tagesziel Crester in Northumbria zu erreichen. Dort unternahmen wir einen längeren Spaziergang zur  Ruine des Dunstanburgh Castle und beendeten den Tag mit einem hervorragenden Seafood-Menü für 7 Pfund in den einzigen Restaurant von Craster.

Dunstanburgh Castle bei Crester /Northumbria

Nach dem Aufwachen stellten wir fest, dass es zwar bewölkt war, es aber nicht regnete. Kurz vor dem gigantischen Floors Castle bei Kelso war es dann so weit und wir passierten die schottische Grenze. Endlich waren wir mit unseren Spitis in Schottland !

Unsere Spitis in den "Scottish Borders"

Die Besichtigung des Floors Castle war sehr beeindruckend, da es angeblich das größte bewohnte Schloss von Schottland ist und man durch viele Räume geführt wird die noch von dem "Duke and Duchess of Roxburghe" privat genutzt werden. Es ist schon ein tolles Gefühl, wenn man durch das Empfangszimmer, Wohnzimmer oder dem Billardraum eines echten Herzog laufen kann. So ganz nebenbei wurde, in den 80er Jahren, dort auch der Greystoke - Tarzanfilm  gedreht.

Floors Castle bei Kelso

Auf der Weiterfahrt besichtigten wir noch ein ehemals wehrhaftes Herrenhaus , den Greenknowe Tower in der Nähe von Gordon. Danach fuhren wir über die Lammermuir Hills nach Masselburgh, einem Vorort von Edinburgh, wo wir stilecht in einer Ruine zelten durften. Nur war es da, das dauerhafte "smiling face" nach nur zwei Tagen mitten in einer wunderschönen Landschaft  und den ersten Besichtigungs-Highlight.

Die Suche nach einem geeigneten Pub in Musselburgh gestallte sich schwieriger als erwartet und uns fiel auf, dass es in Schottland weniger Pub's als in England gibt. Dennoch haben wir einen gefunden und einen kläglichen Snack mit einigen Bitter-Beer und Whisky hinuntergespült.

Da unser schöner und gepflegter Campingplatz in Musselburgh einen kleinen Laden hatte (was sich bei der weiteren Reise als Seltenheit herausstellte) stürzten wir uns nach einem ausgiebigen Frühstück in das Touristengetümmel von Edinburgh. Egal, wie diese Stadt in den Reiseführern gelobt wird, sie übertreiben wirklich nicht!

Diese Stadt hat eine magische Anziehungskraft. Alleine in Edinburgh Castle kann man locker einen ganzen Tag verbringen und sich z.B. die schottischen Kronjuwelen ansehen. Dann sollte man unbedingt noch die Royal Mile, den Holyrood Palace, die Old,- und New Town ansehen.

 

Edinburgh Castle

Edinburgh Old Town

Nachdem unsere Füße fast wundgelaufen waren haben wir in einem Pub mit dem Namen "End of the world" ein leckeres Essen zu uns genommen und sind mit einigen echten Highlanders ins Gespräch gekommen. Sabine hatte als einzige den Mut sich mit diesen "wilden Gesellen" fotografieren zu lassen.

 

Am späten Abend stand dann noch eine kurze Besichtigung des Linlithgow-Palace, dem Geburtshaus von Maria Stewart, der Queen of Scots, an.  Danach ging es schnell zum Campingplatz und wir sind nach einem gutem Abendmenü und einigen Bieren im Restaurant des Campingplatzes in der Nähe von Linlithgow todmüde von den vielen, neuen Eindrücken in unsere Schlafsäcke gekrochen.

Am nächsten Morgen ging es weiter in Richtung Stirling, eines meiner wichtigsten Reiseziele. Dort besichtigten wir das Stirling Castle und das Wallace Monument. Dieser über 60 Meter hohe Turm wurde zu Ehren von Sir William Wallace errichtet, dessen Lebensgeschichte spätestens nach dem Film "Braveheart" fast jedem bekannt sein dürfte. Dieser vereinte im 13. Jahrhundert die einzelnen schottischen Clans, um dann in der entscheidenden Schlacht unterhalb des Stirling Castle die übermächtigen Engländer vernichtend zu schlagen.

     

 

Wallace Monument in Stirling

Mühsam erkletterten wir die 246 Stufen des Monumentes und genossen die herrliche Rundumsicht auf das Braveheart - Country. Es kam wie es kommen musste und so erblickten wir die Gampian Mountains und waren nicht mehr zu halten. Über Perth ging es mit kurzen Umwegen Richtung Norden. Nun waren wir entgültig in einer anderen Welt und unsere Reisegeschwindigkeit verringerte sich vor lauter rumschauen immer mehr. Das ist ein Revier was sich ein echter Spitfire - Driver immer wünscht. Es stimmte einfach alles, wir fuhren gut gelaunt auf guten ausgebauten, schmalen und einsamen Strassen bei tollem Wetter in einer traumhaften Landschaft herum.

Highlands mit Glen Muick in der Nähe von Ballater

Selbst auf unsere Spitfire schien die wunderschöne Gegend Eindruck zu machen, sie fuhren leise brummend und mit minimalem Spitverbrauch, ohne die geringsten Mucken durch die Landschaft.

Mit einem breiten Grinsen und weit aufgerissenen Augen ging es durch die Glen Shee Mountains und über einen Pass mit dem schönen Namen "Devils Elbow" in Richtung Ballater.  Dort in der Nähe an dem Loch Muick schlugen wir dann, mitten in der einsamen Wildnis unsere Zelte am River Muick auf. Wir kletterte danach auf einen kleinen Berg und genossen den Sonnenuntergang in den Highlands, mit einigen Dosen Guinness. Später haben wir ein kleines Lagerfeuer entzündet und haben uns noch lange über diesen wunderschönen Tag unterhalten. Erstaunlicherweise waren wir schon so weit nördlich, dass es nachts nicht mehr richtig dunkel wurde.

Wildnis mit tapferen Spiti's  

Am nächsten Morgen wurden wir durch strahlenden Sonnenschein geweckt und unsere Tagesetappe führte uns an die Nord-Ost Küste, wobei die Fahrt durch die Besichtigung des Kildrummy Castle unterbrochen wurde. Zufällig hatten wir uns den Campingplatz in dem kleinen Küstenort Portsoy (zwischen Elgin und Banff) als Tagesziel ausgewählt und genauso zufällig fand an diesem Wochenende dort das "Scottish Traditonal Boat Festival" statt.

Hafen von Portsoy

Nach zügigen Zeltaufbau direkt am Meer ging es dann zum Hafen wo viele alte Boote , Schiffe und Windjammer vor Anker lagen. Es war ein richtiger Trubel mit Bands und vielen Ständen aufgebaut, an einem Stand habe ich beim Glücksraddrehen mit einem Pfund Einsatz eine gute Flasche Single Malt Whisky gewonnen. Später sang noch ein Fischerchor alte schottische Seemannlieder.  Nach dieser Gesangseinlage traf sich fast der ganze Ort in dem einzigen Pub des Hafens, der uns sehr gut gefiel und wir deshalb für reichlich Umsatz sorgten. Schnell kamen wir mit den Einheimischen ins Gespräch und sie fragten uns ob wir Schottischen Whiskey mögen? Wir antworteten mit einem langen Jaaaa und großen Augen, worauf wir gleich mit einer praktischen Unterrichtsstunde verschiedene Sorten probierten. Wir waren vorbildliche Schüler und irgendwann ertönte es aus einer Ecke anerkennend: the Germans enjoy it Die praktische Prüfung haben wir bestanden und schon waren wir das Gesprächsthema des Abends.

Vermutlich haben wir aber das letzte Whiskeyglas des Abends nicht richtig leergetrunken, denn am nächsten Morgen regnete es. Wir hatten nach über einer Woche zu ersten Mal "schottisches Wetter". Leicht angeschlagen machten wir uns zu dem "Malt Whiskey Trail" auf. Wir fuhren endlang des River Spey zurück in die Grampian Mountains bis sich die Glenn Grant Distillery mit einer intensiven Malz-Duftwolke ankündigte. Da es noch recht früh und noch nicht viel los war, hatten wir unseren Führer durch diese heiligen Hallen für uns alleine. Nach einer sehr guten Führung und einer weiteren Lehrstunde über Scotch Malt und einem üblichen Probeschluck der besten Marke stürmten wir in den hauseigenen Souvenirladen und deckten uns mit Nachschub ein. Zu weiteren Studienvergleichen haben wir gleich im Anschluss noch einen Besuch bei bei der Glenfarclas Distillery drangehängt.

Unsere weitere Reise führte zum Glen More Forest Park und wir wollten es nicht glauben, vor uns lag ein wunderschöner Gebirgssee mit Sandstrand, umgeben von Tannenwald und auf den Bergen im Hintergrund lag im Juli noch stellenweise Schnee !!!

 

Beweisfoto, sonst glaub's keiner

Leider müssten wir aber weiter zu unserem Tagesziel Naim, dabei führte unser Weg uns auf die unglaublich schöne B 9007. Wir vergaßen die Zeit und tuckerten langsam, mehr links und rechts als auf die Strasse schauend auf dieser ca. 50km langen Traumstrecke wieder Richtung Norden. Dabei müssten wir öfters anhalten um diese Eindrücke als Erinnerung auf Fotos festzuhalten.

HU-WX 432 auf der Traumstrasse B 9007

Dadurch kamen wir erst sehr spät in Naim an und fanden keinen freien Platz auf dem dortigen Campingground. Kurzentschlossen fuhren wir weiter zum Culloden Battlefield, welches wir erst nach Einbruch der Nacht erreichten. Der dortige Campingplatzbesitzer öffnete extra für uns noch seine Rezeption und weißte uns einen Platz zu. Wir fühlten uns in Schottland pudelwohl und hatten uns abends viel zu erzählen, wobei es immer schwieriger wurde diese Flut von immer wieder neuen Eindrücken zu verarbeiten.

Am nächsten morgen holten wir an der Rezeption frische Brötchen und Milch um dann gut gestärkt das Cullodien Battlefield zu besichtigen, welchen an die verlorene Schlacht am 16.04.1746 des Bonnie Prinz Charlie gegen die siegreichen Engländer erinnert.

Danach ging es in das Fort Georg, einer in der Zeit der Jakobiteraufstände  (ca. 1750) erbaute und immer noch unveränderte imposante Artilleriefestung, nordöstlich von Iverness.  Hier hatten wir die Gelegenheit einer schottischen "Pipes and Drums" Band zuzuhören.

Fort Georg mit "Pipes and Drums"

Nun fuhren wir über Inverness zu dem wohl berühmtesten Fleck Schottlands. Wir waren am Loch Ness !

Durch das gute Wetter wirkte Loch Ness richtig friedlich und wir besuchten das gut gelegene Urquhart Castle, immer mit einem Auge nach Nessi suchend (da sind ja Blasen im Wasser, oder?).

Beweisfoto Nr.2, sonst glaubt's ja doch keiner

Dann ging es weiter entlang der Ufer des Loch Ness und des Loch Lochy, an der Stadt Fort William mit dem höchsten Berg Schottlands dem Ben Navis (1.343m über NN) vorbei, bis zum Loch Linnhe. Dieser See, der gleichzeitig auch eine Meeresbucht ist, ist eindeutig der schönste aller Lochs. An diesem Abend feierten wir Jürgens Geburtstag auf dem Campingplatz mit Riesensteaks vom Grill und einigen Bieren zum runterspülen.

Am Loch Linnhe  

Weiter ging es auf der B 828 am Loch Linnhe entlang , der wunderbare kleine Buchten und schnuckelige kleine Inseln hat. Ein kleiner Umweg führte uns noch am Loch Etive vorbei, damit wir feststellen konnten, dass die Fähre über den See doch nicht mehr fährt und wir den Abstecher umsonst gefahren sind. 

 

Eine abenteuerliche Route war es aber trotzdem und wir erreichten unser nächstes Ziel fast pünktlich. Wir besichtigten das Bonawe Fumace. Das ist ein historisches Eisenhüttewerk, in dem bis zum Anfang des letzten  Jahrhunderts noch Eisen gewonnen würde. Danach fuhren wir durch den Argyll Forest Park um dann in Arrochar am Loch Long in einem preisgekrönten Fish & Chips-Laden eben diese zu genießen.  Dann ging es um Glasgow herum und über Kilmarnock und Ayr zum Culzean Castle und dem dazugehörenden Campingplatz. Doch dummerweise wurde es immer später und wir fanden den Campingplatz einfach nicht ! Wir fuhren ein paar mal die Strecke ab und der Tank meines Spiti wurde immer leerer. So beschlossen wir an einem kleinen privaten Campingplatz zu übernachten und wurden dafür mit einem sensationellen  Sonnenuntergang belohnt.

Am nächsten Morgen starteten wir leicht traurig zu unserer letzten Tagesroute durch den Süden von Schottland. Nach den ganzen Lochs wollten wir wieder einmal das Meer sehen und fuhren nach Rockcliffe und gingen dort  im Watt (es war gerade Ebbe) spazieren. Danach besuchten wir die berühmte Sweetheart Abbey, erledigten unsere Einkäufe in Dumfries, um dann noch ein am wunderschönen Ufer des Solway Firth bis nach Carlisle zu fahren.

Sweetheart Abbey bei Dumfries

Trauer überkam uns als wir wieder die englische Grenze erreichten und so fuhren wir auf der M6 bis Penrith, wo wir irgendwo im Lake District National Park übernachten wollten. Jürgen's MK III war ebenfalls sehr traurig Schottland zu verlassen und blieb mit einem losvibrierten Pluskabel zur Zündspule einfach stehen. Wir steuerten den nächsten Campingplatz in der Nähe des See Ullswater an, um das Provisorium richtig zu löten und wurden dabei noch mit einer wunderschönen Aussicht auf den See, der von den Cumbrian Montains eingerahmt ist, belohnt. 

 

Ullswater im Lake District 

Den Abend verbrachten wir in einem typisch englischen Pub und fuhren am nächsten Morgen direkt durch die Cumbrian Montains bis nach Windermere. Diese Strecke war wirklich unser letztes Highlight uns so bezwangen wir den Kirkstone Pass. Hinter Mindermere fuhren wir wieder auf die M6, die wir erst wieder bei Stafford verließen.  In Stafford haben wir nämlich noch das größte Spitfire-Treffen Englands, veranstaltet durch den Triumph Sports Six Club  besucht.

Am Sonntag fuhren wir wieder nach Hull um pünktlich die Fähre zu erreichen und nach der Überfahrt die restlichen 800 Km bis zur Heimat abzuspulen.

Diese Tage in Schottland werden wir bestimmt nicht so schnell vergessen und wie schrieb schon Theodor Fontane über seine Schottlandreise:

"Es war eine der schönsten Reisen in meinem Leben, jedenfalls die poetischte. Ich habe nie Einsameres durchschritten!"

Dem können wir uns nur anschließen.

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