Man sieht Ihn immer noch recht häufig auf Deutschlands Straßen, den Triumph Spitfire.

 

Noch vor wenigen Jahren wurde der Spitfire meistens als "billige Kiste", als "Studentencabrio" oder schlicht als "Englischer Schrotthaufen" bezeichnet, wobei die Fachpresse auch fleißig mitgespottet hatte! Dabei waren meistens unwissende und unsensible Spitfirebesitzer schuld an diesem schlechten Ruf, den der Spitfire bis heute unberechtigterweise nicht ganz ablegen konnte. Zum Glück fand der Spitfire dennoch genug Liebhaber um dieses einmalige Exemplar englischer Automobilbaukunst in ausreichender Stückzahl am Leben zu erhalten. Mitte der 90er änderte sich der Ruf langsam, immer mehr hervorragend restaurierte Spitfire bevölkerten die Straßen und plötzlich trauten sich Spitfire- Fahrer auch auf Oldtimertreffen und anderen Oldtimer-Veranstaltungen.

Leider fanden nur sehr wenige Spitfire der älteren Generation rechtzeitig eine pflegende Hand oder einen Restaurator, es sind fast nur Spitfire 1500 übrig geblieben. Beinahe unbekannt sind in Deutschland die Brüder des Spitfire, Herald, Vitesse, sowie der GT 6.

Was macht den Spitfire mittlerweile so interessant?

  Eine unglaublich lange Motorhaube, die wie bei einem Jaguar einschließlich der Kühlerpartie nach vorn geklappt werden kann.

  Dazu sportliche Sitze vor einem stilvollem Armaturenbrett, in dessen Zentrum natürlich ein Drehzahlmesser wohnt.

Eine ungewöhnlich tiefe Sitzposition, die dem Fahrer das unverwechselbare Gefühl vermittelt, mit dem Hinterteil direkt über dem Straßenbelag zu radieren. Ein keck geschwungenes Heck, unter dem sich sogar ein richtiger Kofferraum befindet. Ein Motor, der viel mehr Spaß bereitet als es die technischen Daten erwarten lassen. Ein Fahrwerk, das hart genug ist, um jede Zigarette auf der Straße spüren zu können. Und, das darf man nicht vergessen, günstige Kauf- und Ersatzteilpreise.

 

Doch zuerst wollen wir etwas zur Modellgeschichte des Triumph berichten und beginnen mit: 

Dem Spitfire 4 ( im Nachhinein MK 1 genannt) und der Spitfire MK 2  

Der erste Spitfire wurde am 17. Oktober 1962 auf der Earls Court Motor Show der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Spitfire, dessen Prototyp "Bomb" genannt wurde, schlug ein wie eine Bombe! Endlich ein kleiner, günstiger Roadster aus dem Hause Triumph. Auf diese Ergänzung des Heralds hatte man nicht nur in England lange gewartet.

Die Technik und der stabile Kastenrahmen des ersten Spitfire wurde dem Herald entnommen, wobei die Triumphtechniker etliche Änderungen und Verbesserungen vornahmen.

 

Das Endergebnis sah 1962 auf der Earls Court Motor Show so aus

     Technische Daten Spitfire 4 ( MK 1 ) : 

Bauzeit: 10/1962 bis 12/1964

Stückzahl: 45.573

Fahrgestellnummern: FC 1 bis FC 44656 (Linkslenker mit "L" Bezeichnung)

Vierzylinder-Viertakt- Reihenmotor

Hubraum 1147 ccm

Leistung 63 PS bei 5750 U/min

seitliche Nockenwelle, über Stößelstangen betätigte Kipphebelwelle

Dreifach gelagerte Kurbelwelle

zwei SU- Querstromvergaser HS 2

Vierganggetriebe, 1. Gang unsynchronisiert,

Overdrive G- Type gegen Aufpreis

Einkreisbremssystem

Einzelradaufhängung an Trapez- Dreiecksquerlenkern und Schraubenfedern vorne

Einzelradaufhängung an Pendelachse mit Querblattfeder hinten

Girling Scheibenbremsen vorne, Trommelbremsen hinten

3,5 Zoll Stahlfelgen

Eigengewicht 735 kg, vollbetankt

Höchstgeschwindigkeit 145 km/h

Achsuntersetzung 4,11 : 1

Steck- Verdeck

Feinmaschiger Kühlergrill (wie Herald)

 

Technische Daten Spitfire MK 2:

  Bauzeit: 12/1964 bis 01/1967

Stückzahl: 37.409

Fahrgestellnummern: FC 50001 bis FC 88904

Änderungen gegenüber Spitfire 4:

  Leistung 67 PS bei 6000 U/min

Höchstgeschwindigkeit 148 km/h

Kühlergrill mit Querstreben

Chrombuchstaben an Heckklappe: Spitfire 4 MK 2

Verbesserte Innenausstattung

Bild des Spitfire Mk 2

 

Spitfire MK 3 

Der Spitfire MK 3 kam 1967 auf den Markt. Erstmals wurde die Karosserie verändert, wenn auch nur leicht. Schärfere Einfuhrbestimmungen der USA und der Wunsch nach mehr Komfort waren die Hauptgründe für die optischen und technischen Veränderungen.

Die größte Veränderung war das höherlegen der Stoßstangen und ein echtes Klappverdeck,

außerdem gönnte man dem MK 3 einen leistungsstärkeren Motor.

  Technische Daten Spitfire MK 3: 

Bauzeit: 1/1967 bis 12/1970

Stückzahl: 65.320

Fahrgestellnummern: FD 1 bis FD 15306, FD 20000 bis FD 51967, ab 10/1969:

FD 75000 bis 92803

  Änderungen gegenüber Spitfire MK 2 :

Hubraum 1296 ccm

Leistung 75 PS bei 6000 U/min

Höhere Stoßstangen

Klappverdeck

verbesserte Ausstattung

Rückfahrscheinwerfer

ab 1970: 4,5 Zoll Stahlfelgen 

                                                     

Bild eines Spitfire MK3 

        

Spitfire MK4 und Spitfire 1500

  Die einzige große Änderung an der Karosserie wurde bereits 1969 vom italienischen Designer

Michelotti entworfen, aber erst 1970 wurde das neue Modell hergestellt. Die Karosserie wurde kantiger und glatter, bis heute sorgt dies für allerlei Gesprächsstoff bei Veranstaltungen.

 

Der Spitfire MK 4 (1300)

  Endlich wurde der Spitfire modernisiert. Auf den ersten Blick fällt nur das kantigere Heck auf, dabei wurde noch viel mehr verändert: Stoßstangen, Motorhaube, Türen, Kotflügel und das gesamte Heck wurden verändert. Im Innenraum wurden die Veränderungen kaum merkbar, dort war die Umwandlung fließend.

 

Technische Daten Spitfire MK 4 (1300): 

Bauzeit: 11/1970 bis 12/1974

Stückzahl: 70.021

Fahrgestellnummern: FH 3 bis FH 64995 (FL für Schweden, FK für US- 1300er,

FM für US 1500er)

 

Änderungen gegenüber Spitfire MK 3:

 Karosserieform

Leistung: 63 PS bei 6000 U/min.

Verbessertes Verdeck & -Gestänge

voll synchronisiertes Getriebe

Swing-Spring- Hinterachse

Eigengewicht 775 Kg

Drehstromlichtmaschine

Achsuntersetzung 3,89 : 1

SU Querstromvergaser HS 2E

 

Es gab beim Spitfire MK 4 viele verschiedene Motorisierungs- und Ausstattungsvarianten, auf die hier nicht weiter eingegangen wird.

 

Der Spitfire 1500:

1974 wurde der Spitfire ein letztes Mal kräftig modernisiert. Sinkende Absatzzahlen und immer härtere Abgasbestimmungen in den USA machten dem Spitfire schwer zu schaffen, was die Triumphtechniker mit allerlei technischen Spielereien und mehr Luxus auszugleichen versuchten. Die größte Änderung war die Hubraumvergrößerung von 1300 auf 1500 ccm, wodurch der Motor zum echten "Langhuber" wurde.

Der Motor hatte zwar mehr Drehmoment und PS, aber durch den enormen Hub waren die Kolben sehr flott unterwegs was gerne und oft bei hohen Drehzahlen zum Motorschaden führte.

  Deutliche Einsparungen, bedingt durch immer weiter abfallende Verkaufszahlen, ließen auch die Verarbeitungsqualität leiden. Obwohl der Spitfire mittlerweile zum echten "Hingucker" mutierte, wurde der Ruf nach besserer Technik immer lauter. Die Krönung des Ganzen war die "Gelbe Zitrone" des ADAC für den schlechtesten Neuwagen!

  Allen Zweiflern zum Trotz wurde der Spitfire bis August 1980 produziert, somit überlebte er alle Konkurrenten bei weitem!

  Mittlerweile hat wohl kein 1500'er Fahrer mehr Angst vor dem ehemals empfindlichen Motor, da moderne ( Überholungs- ) Technik auch diesem Motor ausreichend hohe Drehzahlen ermöglicht.. Temperaturprobleme werden mittels Ölkühler und ggf. weiteren Verbesserungen beseitigt, somit kann der 1500'er Motor endlich richtig loslegen und muß nicht mehr wie ein rohes Ei behandelt werden.

 

Technische Daten Spitfire 1500

Bauzeit: 12/1974 bis 8/1980

Stückzahl: 95.829

Fahrgestellnummern: Ab FH 75001, ab FM 28001 U für US,

ab 28001 UC für Kalifornien.

 

Änderungen gegenüber Spitfire MK 4

Leistung 71 PS bei 5500 U/min.

Hubraum 1493 ccm

hinten breitere Spur

SU- Querstromvergaser HS 4

Untersetzung 3,63 : 1

Bild des Spitfire MK 4

 

Und der letzte echte Roadster: der Spitfire 1500

 

Doch nun  zu meinem Spity, wie er liebevoll in der Szene genannt wird: 

Dabei handelt es sich um einen Spitfire 1500, FahrgestellNr.: 78196L, Baujahr 1975, wie die Urkunde des „British Motor Industry Heritage Trust“ eindeutig beweist.

Gekauft habe ich meinen Wagen am 04.05.1989 in schlechten Zustand, ohne TÜV mit Getriebeschaden und vielen Mängeln zum Preis von 3.500,- DM. Wie so was aussieht, zeigen die nächsten beiden Bilder.

 

 Die anschließende Restauration dauerte etwas über ein Jahr und alle Schritte hier aufzuführen wurde den Rahmen sprengen. Aus diesem Grund folgen an dieser Stelle einige Bilder davon:

 

Hier der linke Innenschweller

                                                                               

                             

 

 

 

 

 

 

Das Bodenblech                   

                                                         

Bereits eingeschweißt und lackiert

 

Die Motorhaube

 

Der Motor

              

Die Hinterachse

 

Die Vorderachse 

Jetzt eingebaut

 

Irgendwann war der Spitfire dann fertig und sieht jetzt so aus:

 

Es macht auch nach über 10 Jahren Spitfire immer noch extrem Spaß, sich mit diesen Wagen zu beschäftigen. Fast alle Arbeiten kann man alleine, auch ohne große Kenntnisse durchführen. Man spricht bei einem Spity aus diesem Grund auch von einem Lego-Auto. Er ist der ideale Einstieg ins Oldtimerhobby, wenn man auf Roadster steht. Und, vorausgesetzt er wird gut gewartet, ist er sehr zuverlässig, was mein Spitfire bereits bei zwei großen Urlaubsreisen quer durch England und Schottland bewiesen hat.

England „White Horses“

 

 

Besuch des „Triumph Sport Six Club“

 

In den Highlands von Schottland

   

 

Nach über 16 Jahren, unzähligen tollen Ausfahrten, Spitfire-, und Oldtimer-Treffen sowie unvergesslichen Erlebnissen mit meinem Spitfire habe ich mich aus Zeitgründen von dem tollen Wagen getrennt und dieses Hobby (vorerst ?) aufgegeben. 

Mein Spity ist in sehr gute, fachkundige Hände gekommen und leistet nun einem Triumph TR3 Gesellschaft.

Wer weitere Informationen über den Triumph Spitfire benötigt, sollte sich an den 1.SpitfireClub Deutschlands , Homepage unter http://www.triumph-spitfire.de wenden, den ich als langjähriges Mitglied nur weiterempfehlen kann.

 

Clublogo 1.SCD

Triumph Spitfire Prospekte

Welcome to England, ein Reisebericht

Faszinierendes Schottland, ein Reisebericht

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